Aktuelles 2012


Jean Miélot, Vie de Saint Catherine: L’empereur Maxence ordonnant la flagellation de la sainte. Enlumineur: Simon Marmion, vers 1475 BnF, dpt des Manuscrits © Christies

27.03.2012

Mal wieder ein »goldenes Zeitalter« in Paris zu bestaunen: Miniatures Flamandes 1404–1482

Denkt man an die Bibliothek der Burgundischen Herzöge, fallen einem spektakuläre Handschriften ein. Doch auch nicht weniger klingende Künstlernamen kommen in den Sinn: Lieven van Lathem, Simon Marmion, Willem Vrelant, Jan de Tavernier und auch Rogier van der Weyden, der immer wieder für die Frontispizminiatur von Jacques de Guise’s Chronik vom Hennegau in Brüssel vorgeschlagen wird. Kurzum, es geht um erlesenste flämische Manuskripte des Spätmittelalters. Wie eng die Beziehungen zum französischen Kunstkreis sind, zumal zum Beginn des Jahrhunderts auch durch einen regen Austausch, zeigt sich bereits mit Johann Ohnefurcht, der einer Seitenlinie des französischen Königshauses entstammte. Die burgundischen Lande hatten aber auch danach mächtige Herrscher: Philipp der Gute, Karl der Kühne und zuletzt Maria von Burgund.

Etwa 90 Handschriften sind aufgeblättert. Die frisch erworbene Vie de Sainte Catherine, ein Werk von Simon Marmion aus dem Besitz der Margarete von York bildet das Entree, gefolgt von einem Teil, der sich gewissermaßen den historischen Bedingungen der Buchproduktion durch wohlhabende Mäzene widmet. Wie schon in Brüssel informiert eine didaktische Abteilung über die Praxis der Buchmalerei. Angesichts der prächtigen Manuskripte, die doch immer nur eine Doppelseite preisgeben, hat man allerhand virtuelle Angebote entwickelt, die jedoch angesichts der Originale nur einen faden Ersatz bieten können. Den Kunsthistoriker interessieren die Stilgruppen im Hauptteil, doch kann man die Miniaturen von der Vor-Eyck-Zeit bis zum Meister des Dresdener Gebetbuchs auch ohne komplizierte Händescheidereien als das genießen, was sie sind: Objekte des reinsten Luxus in kunstvoller Grisaille oder glühenden Farben.
 
Bereits in Brüssel in der königlichen Bibliothek konnte man diese Ausstellung sehen, dort ist sie auch von einem wissenschaftlichen Colloquium im November 2011 begleitet worden. In Paris ist die Auswahl der Handschriften ein wenig anders, so dass sich eine Reise auch für denjenigen lohnt, der in Brüssel gewesen ist. noch bis zum 10. Juni 2012, Bibliothèque nationale de France, Site François Mitterand (Galerie François Ier), Quai François Mauriac, 75013 Paris. Dienstags-samstags 10.00–19.00 Uhr, sonntags 13.00–19.00 Uhr; feiertags geschlossen http://expositions.bnf.fr/flamands/index.htm

Der Ausstellungskatalog ist vom Brüsseler Direktor der Handschriftenabteilung, Bernhard Bousmanne, und dem im letzten Jahr verstorbenen Direktor der Handschriftenabteilung der Pariser Nationalbibliothek, Thierry Delcourt, herausgegeben worden und umfasst Beiträge von 26 Autoren. 464 S., 320 Farbabbildungen, 49 € (ISBN 9782717724998)

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