Aktuelles 2012


Bildausschnitt aus einer Handschrift. Zu sehen ist der heilige Benedikt mit der Regel in der Hand. Montecassino, 1022 – 1035. © Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen Bildmotiv: © Montecassino, Archivio dell’Abbazia, Cod. Cassin. 73

06. Juni 2012

Didaktik und die große Stille

Philipp Görings Dokumentarfilm „Die große Stille“ über die Karthäusermönche der Grande Chartreuse erregte Ende 2005 großes Aufsehen. Gemäß dem Schweigegebot der Mönche wurde in dem Film kaum gesprochen, dafür aber der Alltag der Mönche zwischen Studium und Gebet den Zuschauern nahe gebracht. Fremd und daher exotisch mutete das Spektakel an. Etwas Ähnliches hat man in Mannheim mit dem wesentlich älteren Benediktinerorden versucht: In neun Stationen erfährt man etwas über Klostergründungen, Liturgie, Handwerk und Wissensvermittlung bis hin zum Benediktinerleben in der Gegenwart. Ora et labora et lege (Bete und arbeite und lese) ist der berühmteste Satz aus der Benediktinerregel, die Benedikt von Nursia zunächst für das 529 von ihm gegründete Kloster von Montecassino entwarf und deren Erfolgsgeschichte unendlich viele Klostergründungen in ganz Europa nach sich zog.

Kirche, Schreibstube und Klostergarten waren Fixpunkte benediktinischen Lebens, deshalb ist man in Mannheim stolz auf die Rekonstruktion eines Skriptoriums mit Mitmach-Stationen. Doch erschöpft sich die Ausstellung nicht in Didaktik, sondern wartet mit bedeutenden Kunstschätzen auf: Aus St. Blasien im Südschwarzwald stammt ursprünglich z.B. das eindrucksvolle Adelheid-Kreuz, das Adelheid von Ungarn im 11. Jahrhundert stiftete. Das Reichenauer Sakramentar ist als Handschrift und separat mit seinem Einband mit dem karolingischen Elfenbeinrelief vertreten. Aus dem 1807 aufgelösten Kloster St. Blasien stammt ebenfalls das Bernauer Missale, wie auch der um 1300 für die englische Benediktinerabtei Ramsey entstandene gleichnamige Psalter dort seit dem 16. Jahrhundert aufbewahrt wurde. Diese und andere der insgesamt 130 Exponate werden heute in St. Paul im Lavanttal aufbewahrt, weitere Hauptleihgeber sind Montecassino und Stift Neuburg. Neben Handschriften illustrieren die Anfänge der benediktinischen Klosterkultur Messgewänder sowie Gold- und Silberschmiedearbeiten.

Benedikt und die Welt der frühen Klöster noch bis zum 13.1.2013 Mannheim, Reiss-Engelhorn-Museen, Museum Bassermannhaus für Musik und Kunst C4,9 http://www.benedikt2012.de/ausstellung.html Katalog: 300 Seiten, 24,95 € (ISBN-3-7954-2581-) Di-So 11 18 Uhr

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